Impuls 07. März 2022 – März, ein Monat des Gebetes

Mama, bitte, bitte … das Kleine dort hinten … du brauchst mir auch nichts mehr zu Weihnachten und zum Geburtstag schenken … ich werde mich auch immer darum kümmern … Mama, bitte, es fürchtet sich doch so allein … Die Mutter steht mit der kleinen Tochter vor dem Schaufenster des Zoogeschäftes. Drinnen tummelt sich die Meerschweinchen und ein kleines Zwergkaninchen sitzt schüchtern in einer Ecke. Das kleine Mädchen versucht alle Register zu ziehen um seinen Wunsch nach einem Haustier durchzusetzen.
Diese kleine Szene fiel mir spontan ein, als ich den Spruch für diesen Monat las. Im Epheserbrief heißt es: „Betet immer und in jeder Situation mit der Kraft des Heiligen Geistes. Bleibt wachsam und betet auch beständig für alle, die zu Christus gehören.“ (Epheser 6, 18; NLB)
Beten, Gebet – was ist es überhaupt? Rede ich mir da meinen Kummer von der Seele? Kann ich Gott mit meinen Wünschen bestürmen. Klage ich Gott meine Not, bin ich auch mal voller Anklage? Oder erzähle meinem himmlischen Vater von meinem Tag? Ist Gebet ein frommes Selbstgespräch oder ein wirklicher Dialog? Oft tun wir uns etwas schwer damit. Wie muss ein richtiges Gebet sein? Vaterunser oder selbst formuliert? Und wie spricht man Gott eigentlich an? Und kann ich ihn überhaupt mit meinen kleinen Sorgen belästigen? Kann ich ihn bedrängen, wie dieses kleine Mädchen?
Gebet, Beten, begegnet uns in der Bibel oft. Es scheint Gott wichtig zu sein. Er ist ein kommunikativer Gott, der sich mitteilt und der sich austauschen möchte. Wenn wir auf Jesus schauen, sehen wir, dass er einen ganz vertrauten Umgang mit Gott pflegte. „Abba“ – Vater sagt Jesus. Das Wort aus der aramäischen Alltagssprache drückt sowohl die Vertrautheit des deutschen Wortes „Papa“ als auch die Würde des Wortes „Vater“ aus. Abba war eine ungezwungene und gleichzeitig respektvolle Anrede. Es war eines der ersten Wörter, die ein Kind sagen konnte.
Jesus lädt uns ein, Gott so zu sehen und zu erfahren. Mit einem Abba-Verhältnis dürfen wir mit Gott immer im Gespräch sein. Früh beim Aufstehen, mit einem Dank für die Ruhe der Nacht, oder mit einer Klage über die Kopfschmerzen, mit einer Bitte um Kraft für die Dinge des Tages. Am Frühstückstisch mit einem Dank für mein Essen, das nicht selbstverständlich ist, in unserer Welt. Beim Lesen der Zeitung tun sich so viele Anliegen für die Fürbitte auf. Beim Gespräch mit den Kollegen oder Nachbar, der von seinen Sorgen erzählt. Immer darf ich laut oder leise mit Gott im Gespräch sein. Lassen wir uns von unserem Monatsspruch ganz neu herausfordern, das Gespräch mit Gott zu suchen.

Impuls 05. März 2022 – Betroffenheit

Ich sitze in meinem Wohnzimmer. Bis zum Bodensee wären es 550 km, in die andere Richtung sind es 750 km bis Lemberg (Lwiw). In dieser alten europäischen Stadt schlagen heute Granaten ein, Explosionen dröhnen durch 1000 Jahre alte Straßen, Menschen ängstigen sich. Ungläubig, wütend und hilflos machen mich die Bilder aus der Ukraine. Nach 77 Jahren ist der Krieg in die Mitte Europas zurückgekehrt. Natürlich weiß ich, dass es in anderen Gegenden der Welt immer wieder Krieg und Gewalt gegeben hat. Aber dies war meist weit weg, jetzt ist es plötzlich zum greifen nah. Es tut weh, dies zu sehen und langsam zu begreifen. Zweifel und Bedenken machen sich breit. Wird der Konflikt lokal begrenz bleiben? Wird es uns gelingen uns herauszuhalten? Aber kann man denn einfach zusehen, wenn so etwas geschieht? Es ist doch ungerecht wenn Putin, wenn Russland damit durchkommt. Was können wir tun? Und was wird es uns kosten, Flagge zu zeigen? So vieles, das ich scheinbar nicht ändern kann und das mich ohnmächtig zurück lässt. Die Verse eines Kirchenliedes fallen mir ein: „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet, wenn dich Angst befällt vor der langen Nacht, hört er dein Gebet.“


Ich weiß, dass dies für viele Menschen heute keine Option mehr ist. Die Frage nach der Existenz Gottes und die Vorstellung, wie er eventuell ist und handelt, wird heute sehr vielfältig beantwortet. Für mich war und ist diese große segnende Kraft, die wir Gott nennen real und das Gebet, als Möglichkeit des Gespräches ein wunderbares Geschenk. Ich muss nicht allein bleiben mit meinen Fragen, ich muss meine Klagen nicht hinterschlucken, ich kann meine Wut hinausschreien. Gott ist da und er hält es aus. Viele Menschen posten in diesen Tagen Kerzen, kleine Flämmchen, anfällig gegen den Sturm des Lebens. Für mich ist die Möglichkeit des Gebets, eine solche kleine Kerze. Ein Licht, das die Dunkelheit erleuchtet und Hoffnung macht auf mehr. „Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Unbeirrbar setzt er sich für das Recht ein.“ schreibt in der Bibel, dar Prophet Jesaja. Das ist meine Hoffnung, die ich mit euch teilen wollte. Vielleicht ist es eine Anregung für ein Stoßgebet: „Gott gib Frieden – Herr erbarme dich!“

Gebet für den Frieden – Jeden Sonntag 18.00 Uhr

Jeden Sonntag um 18.00 Uhr läuten die Glocken unserer 4 Kirchen in unserer Kirchgemeinde 10 Minuten lang.
Damit laden wir Sie ein, in diesen Minuten, dort wo Sie gerade sind, für den Frieden in der Ukraine und in der Welt zu beten.
Stimmen Sie dafür gerne in das folgende Gebet ein, oder finden Sie eigene Worte des Gebetes:

Ewiger Gott,
in diesen Tagen erleben wir, wie zerbrechlich unsere Sicherheiten sind.
Uns ist bewusst, wie kostbar über sieben Jahrzehnte Frieden in unserem Land sind.
Wütend und fassungslos erleben wir, wie Machthaber die Freiheit und das Leben vieler Menschen gefährden.
Das Leid der Menschen in der Ukraine geht uns nah.
Wir haben Angst davor, in welche Abgründe dieser Krieg uns alle noch führen wird.

Wie so viele suchen wir Zuflucht bei dir
und Schutz, innere Ruhe und einen Grund für unsere Hoffnung.
Wir bringen dir unsere Sorgen.
Wir bitten dich für die, die um ihr Leben und das Leben ihrer Angehörigen fürchten.
Wir bitten dich für die, die um ihre Heimat kämpfen,
für die, die vor der Brutalität des Krieges fliehen,
für die, die humanitäre Hilfe leisten
und für die, die sich beharrlich für friedliche Lösungen einsetzen.

Wir beten für all die Verantwortlichen in Russland, der Ukraine, Belarus, den USA und der EU,
dass sie Wege aus der Eskalation finden.
Lass uns alle abrüsten mit Worten und Taten.
Erweiche die Herzen derer, die hart geworden sind.
Bewahre uns vor der Willkür der Mächtigen dieser Welt und bringe sie zur Erkenntnis ihrer Grenzen.
Segne uns mit deinem Frieden, damit dein Friede sich auf Erden ausbreite!
Amen.

 

Wort der Kirchenleitung zur Ukraine vom 28.02.2022

Die sächsische Kirchenleitung sieht mit großer Sorge auf den Krieg in der Ukraine, der von Präsident Putin ausgelöst wurde.
Aus unserer Fassungslosigkeit heraus denken wir als erstes an die vom Krieg unmittelbar betroffenen Menschen. Ihre Angst, ihren Schmerz, ihre Trauer, ihre Wut lassen wir an uns heran. Auch wenn wir vieles von dem nicht ermessen können, fühlen wir uns mit ihnen verbunden.
In unserer Hilflosigkeit suchen wir nach Möglichkeiten, etwas für die Menschen in der Ukraine und den Frieden in Europa zu tun.
Wir rufen dazu auf:
Beten Sie mit uns für ein baldiges Ende dieses Krieges. Beten Sie mit uns für den Frieden in der Ukraine und in der ganzen Welt.
Unterstützen Sie mit uns die Notleidenden in den Kriegsregionen, die Flüchtenden, die Helfenden in den Nachbarländern.
Verstärken Sie mit uns das Gespräch mit Christen aller Konfessionen und mit Menschen über alle Grenzen hinweg, um Brücken für den Frieden zu bauen.
Verbunden im Glauben an Jesus Christus bestärke uns alle der Monatsspruch für den März 2022:
„Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“ Eph 6, 18

Impuls 12. Januar 2022 – Ich preise dich …

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
Matthäus 11,25

Ob Jesus gern gesungen hat? Das nehme ich jedenfalls an.
Eigentlich will er so richtig Dampf ablassen, ist zornig und traurig über alle, die sich etwas einbilden auf ihre Herkunft, ihre Bildung, ihr Niveau. Er redet sich in Rage, spricht von Hölle und Gericht.
Aber dann schlägt der Ton um und Jesus fängt an zu jubeln: Staunt mit mir, was für einen tollen Vater wir haben! Ja, Vater, so kenne ich dich, das gefällt dir! Du mit dem weiten Herzen für alle vom Leben benachteiligten Menschen!
Ein richtiger Seelen-Booster, ein Hit für die, die nicht die Kraft haben, allein aufzustehen, die geplagt und belastet sind.

Wann immer es möglich war, habe ich diesen Bibelvers im Männerchor am Ostermorgen in den Brüdergemeinen gern mitgesungen: Wir preisen dich, Vater, Herr des Himmels …
Mehr als beim Lesen aller wohlformulierten Glaubensbekenntnisse werde ich beim Singen unversehens vom Weisen und Klugen zum Unmündigen und Einfältigen.

Der neue Tag beginnt, und während ich mich auf den Weg mache, summe ich eine Melodie eines Liedes, das von einem großartigen Schöpfer handelt, der mir doch ein guter Vater ist.

 

Erdmann Becker

Die »virtuelle Bethlehemskapelle« bringt täglich einen aktuellen Kurzimpuls zur Losung der Herrnhuter Brüdergemeine.
In der realen Bethlehems-Kapelle in Prag hielt vor über 600 Jahren Jan Hus mit großer öffentlicher Resonanz seine Predigten in der Sprache des Volkes. Seine Ermordung auf dem Scheiterhaufen löste die Böhmische Reformation aus, aus der über die alte Unität der Brüder auch unsere Kirche hervorging, die Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine.
Sie gibt seit 1731 die Losungen heraus. Weitere Informationen finden Sie unter www.losungen.de
»Bethlehem« wird Ihnen zugesandt von der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine

Impuls 25.12.2021; Weihnachten – Es begab sich aber zu der Zeit

Heute am Weihnachtstag grüße ich euch wieder einmal mit einer Andacht aus der Bethlehemskapelle. Sie nimmt die gestrige Losung zur Grundlage. Sie macht Hoffnung, das die Botschaft von Weihnachten stärker ist, als alle Widrichkeiten.
Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Verlass mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir!
Psalm 38,22

Es begab sich aber zu der Zeit
als alle Welt hin und hergerissen war zwischen Angst vor neuen Virusvarianten
und Erfolgen bei den Impfungen.
Zwischen Kontaktbeschränkungen und Widerstand,
Solidarität und Hass.
Als die Propheten dieser Welt Unheil voraussagten,
das Ende der Demokratie,
das Ende der Mitmenschlichkeit,
das Ende der bewohnbaren Erde.
Als Gott ferne schien und die Dunkelheit nah.

Da

erinnerte man sich an die Worte des Engels, der da sprach: Fürchtet euch nicht!
Und man teilte diese Worte mit den Nachbarn und in den Netzwerken
und sagte zueinander:
Lasst uns nun endlich gehen nach BETHLEHEM und die Geschichte sehen,
die da geschehen ist.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.
Lukas 1,68

 

Erdmann Becker

Die »virtuelle Bethlehemskapelle« bringt täglich einen aktuellen Kurzimpuls zur Losung der Herrnhuter Brüdergemeine.
In der realen Bethlehems-Kapelle in Prag hielt vor über 600 Jahren Jan Hus mit großer öffentlicher Resonanz seine Predigten in der Sprache des Volkes.
Seine Ermordung auf dem Scheiterhaufen löste die Böhmische Reformation aus, aus der über die alte Unität der Brüder auch unsere Kirche hervorging, die Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine.
Sie gibt seit 1731 die Losungen heraus.

»Bethlehem« wird Ihnen zugesandt von der Evangelischen Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
Weitere Informationen finden Sie unter www.losungen.de

Weihnachtsandacht und Predigt für zuhause

Weihnachtsandacht für zu Hause
Liebe Erwachsene, liebe Kinder! Das bevorstehende Christfest ist für viele von uns wieder ganz anders , als wir es uns gewünscht hätten. Hiermit biete ich Euch einen Vorschlag für einen Zu-Hause-Gottesdienst zu Weihnachten. Mit wenigen Mitteln könnt ihr diesen Gottesdienst zu Hause feiern! Keine Angst vorm Singen – alle vorgeschlagenen Lieder findet ihr auf Youtube!

→ Weihnachtsanacht für zuhause 2021

Weihnachtspredigt 2021

 

Weihnachtsgeschichte XL als Kurzfilm (ca. 8,5 Minuten)
Ich empfehle Euch dieses Jahr die „Bible to go“-Variante der Weihnachtsgeschichte, die Ihr auf Youtube finden könnt. Mit Playmobil-Figuren wird hier für Jung und Alt eine unterhaltsame Zusammenfassung geboten. In der Andacht kann sie auch die Lesung ersetzen. Viel Freude beim Schauen.

Quelle: „Sommers Weltliteratur to go“

 

Andacht für den 3. Advent – Es kommt ein Schiff

Link zum Lied „Es kommt ein Schiff geladen“

https://www.youtube.com/watch?v=3tQb8pcj-aw

Gedanken zum Lied
Ein Bild zwischen Sehnsucht und Bangen

Ich habe ein Bild vor Augen. Ein Bild vergangener Jahrhunderte. Ohne Telefon, Internet und Whatsapp. Ein Mensch steht am Ufer des Meeres. Der Strand liegt im Abendlicht der untergehenden Sonne. Das weite Meer liegt spiegelglatt. Nur eine ganz sachte Brandung spielt in der Ruhe des Abends. Eine gespannte Ruhe. Die Augen des Menschen wandern. Suchen den Horizont ab. Sehnsüchtig. Suchen nach dem Umriss eines Schiffes. Tag für Tag geht dieser Mensch zum Strand. Wartet. Die Augen tasten den Horizont ab.

Der Mensch steht am Ufer des Meeres. In dieser Szene liegt viel Sehnsucht. Wie viele Menschen mögen einst die Ankunft eines Schiffes erwartet haben. Sehnsüchtig. Der Familienvater, der auf Post und Nachricht seiner ausgewanderten Kinder wartet. Die Frau, die ihren Geliebten von See zurückerwartet. Bangend, hoffend. Der Kaufmann, der auf die kostbare Fracht wartet. Getreide, Hölzer, Gewürze. So kostbar, dass sein Auskommen von der Wiederkunft des Schiffes abhängt. Der Neugierige, der selber hofft, einst über den Horizont hinaus zu gelangen.

Ein Schiff. Ein Symbol für Sehnsucht. Teure Fracht trägt es. Es transportiert Botschaften zwischen Kontinenten und Welten. Ein Botschafter aus einer anderen Welt. Jenseits des Horizonts. In diesem Bild liegt aber auch eine große Spannung. Das Meer ist auch ein unheimliches Terrain. Fremd und gefährlich. Die Seeleute erzählen von gefürchteten Stürmen, brutalen Seeräubern und Ungeheuern aus der Tiefe des Meeres. Die alten Israeliten vermuteten am Grunde des Meeres den Eingang zur Totenwelt. Nur die robusten Planken des Schiffes trennen den Seefahrer vom Tod. Es ist ein erlösender Moment, wenn dann die Segel des lang erwarteten Schiffes am Horizont auftauchen. Dann fallen die Sorgen ab. Und der Herzschlag beschleunigt sich.

Es kommt ein Schiff
Diese Bild greift ein bekanntes Adventslied auf:

1.     Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein‘ höchsten Bord
        trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

Sehnsüchtig erwartet. Die rettende Fracht. Ein Sinnbild für die Begegnung zweier Welten. Meer und Land, Himmel und Erde, Gott und Mensch.

Das Schiff nähert sich dem Ufer. Die Gefahren der See verblassen bereits.

2.     Das Schiff geht still im Triebe, es trägt eine teure Last;
        Das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

Dieses Schiff unterscheidet sich von vielen Schiffen. Die Gefahren der See haben die Schiffe wehrhaft gemacht. Kriegsschiffe, bis an die Zähne bewaffnet. Selbst Handelsschiffen sind oft bewaffnet, um Seeräuber abzuschrecken. Die Fracht dieses Schiffes ist kostbar. Vielleicht die kostbarste Fracht überhaupt. Und doch: Dieses Schiff ist unbewaffnet. Liebe ist das Segel. Der Heilige Geist der Mast. Wie ein starkes Kreuz hält es das Schiff aufrecht. Hält das Segel, die Liebe hoch.

3.    Der Anker haft‘ auf Erden, da ist das Schiff am Land.
       Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

Gott selbst ist an Bord. Jesus Christus. Die kostbarste Fracht für die Menschheit. Jesus, ist über die Todestiefen des Meeres zu uns gelangt, trägt Gottes Frieden in die Herzen der Menschen. Er ergreift Partei für uns Menschen. Er heilt und versöhnt. Er ermöglicht Leben über den Tod hinaus. Der uns die Brücke baut zu Gott, dem liebenden Gott. Eine rettende Fracht.

Das Lied erscheint mir manchmal wie aus weiter Ferne. Fremd und vertraut die Melodie, alt und geheimnisvoll die Worte. Jede Strophe zweigeteilt. Wie auf sanften Wogen schaukelt das Schiff im ersten Teil. Die Töne loten die Tiefe aus. In der zweiten Hälfte setzt der Reisende den Fuß aufs Land. Schreitet kräftig und fröhlich aus. Steigt mit der Melodie hinauf vom Hafen in die Stadt und kehrt wieder zurück zum tiefen Anfangston. In den Bauch des Schiffes.

Im Miteinander der Deutungshorizonte

Uralt ist das Lied vom Schiff. Es gehört zu den ältesten geistlichen Gesängen in unserer Sprache. Das Lied lässt mehrere Deutungen zu. Es ist als Marienlied gesungen worden. Maria, die Schwangere, ist wie ein Schiff. Sie trägt eine  teure Last. Gott schickt das Allerkostbarste, das Beste, was er hat: Seinen Sohn. Seine Liebeserklärung an uns. Sein ewiges Wort. Was Gott sagt, ist verlässlich. Dieser Jesus Christus verkörpert die Wahrhaftigkeit von Gottes Zusagen.

In dem Schiff haben die Christen auch ein Bild für die Kirche gesehen. Für das Gebäude, in dem wir zusammenkommen. Und für die Gemeinschaft der Gemeinde, die mit Jesus unterwegs ist.

Aber auch die Seele jedes einzelnen Christen können wir als Schiff betrachten. Ruhig treibt es dahin. Wenn der Wind stark bläst, wird es schneller. Liebe ist das Segel. Sie fängt die Windkraft auf, damit wir Fahrt gewinnen. Die Liebe hält unser Lebensschiff in Gang. Liebe ist Bewegung, äußerlich und im Innern. Wir gehen auf den andern Menschen zu und mit ihm mit. Wir wollen wissen, was ihn bewegt, mit ihm lachen und trauern, zürnen und hoffen, wandern und ausruhen.

Vom Stall bis zum leeren Grab

In den Strophen 4-6, verlässt das Geschehen das Schiff. Gott wird greifbar:

4. Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren, gelobet muss es sein.

5. Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel.

6. danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn,
das ewig Leben erben, wie an ihm ist geschehn.

Der Stall im Bethlehem kommt in den Blick. Und am Horizont erscheint auch – verschwommen noch – was auf dieses Kind zukommen wird: Der Weg nach Jerusalem. Das Kreuz, an dem dieses Kind sterben wird. Der brutale Spott der Menschen. Das Grab in das dieses Kind hineingelegt
werden wird. Dann das leere Grab. Die Auferstehung. Der Triumpf des Lebens. Wer sich an dieses Kind hält, geht diesen Weg mit.

Uralt, schwer und kostbar

Uralt ist das Lied vom Schiff. In jeder Strophe erst ruhige Wellenbewegungen, dann das mutige Ausschreiten im zweiten Teil der Strophe.  Ein tiefer Anfangston. Am Schluss kehrt es zu ihm zurück, zurück in den Bauch des Schiffes. Es ist kein leichtes Lied. Ein Schwere liegt dem Lied zugrunde. Es kennt die Gefahren der See. Es weiß, was auf Jesus zukommt. Es weiß auch um die Kostbarkeit dieser Geschehnisse. Ehrfürchtig nähert es sich den Geschehnissen. Ahnt das Heilige. Das Geheimnis von Weihnachten. Gott kommt. Ganz klein. Unendlich. Wird einer von uns. Wirbt. Leidet. Stirbt. Rettet uns alle. Vorsichtig nähert sich das Lied dem heiligen Geschehen.
Es kommt ein Schiff, geladen. Es trägt eine teure Last.

Amen.